Im Spannungsfeld der bevorstehenden städtebaulichen Implementierung des Viertels „ParkStadtSüd“ in der Fortführung des innerstädtischen Grüngürtels der Stadt Köln, möchte GOODALL die Perspektive der bildenden Kunst und

ihr nahestehenden Disziplinen installieren 
und dem städtischen Diskurs zur Verfügung stellen.

Wir freuen uns hier den Auftakt in Form von sechs Briefen, die als Faltblatt erscheinen, anzukündigen. Sie dokumentieren das Ergebnis individueller und gemeinsamer Recherchen in der Raderberger Brache und deren Umfeld.
Eine kontinuierliche Folge von Publikationen begleitet, hinterfragt und interpretiert im jährlichen Turnus die bevorstehenden räumlichen und sozialen Veränderungen und vermittelt sie in neuen Bildern.


Das Forschungsgebiet:


Die Raderberger Brache wird nach über hundert Jahren Entwicklungszeit stärker exponiert, ein neues Stadtviertel mit 20000 zusätzlichen Einwohnern wird Entwicklung einfordern. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die 7 ha große Fläche als Ganzes ausgenommen von den Entwicklungsschritten, in den Plänen sie integriert als nicht näher definierter Bereich.

Aus ganz unterschiedlichen Richtungen werden berechtigte Ansprüche an zentrumsnahen Wohnraum gestellt, ein wildes, von vegetativen Prozessen gestaltetes Biotop in diese Waagschale zu legen, scheint paradox.

Die Entwicklung und Neukonzeption als geschützter Naturerlebnisraum scheint in dieser Perspektive die schlechteren Karten zu haben.
 
In unmittelbarer Nähe der Raderberger Brache ist vor gut hundert Jahren der Kölner Volksgarten angelegt worden. Hierzu mussten viele Einzelgrundstücke im Bereich zwischen historischer Stadtgrenze, Güterbahnstrecke und historischen Verteidigungsarchitekturen vereint werden. Der damalige Gartendirektor, Fritz Encke erhielt hier seinen Direktorensitz.

Weitere Gebäude des städtischen Gartenbaubetriebs wurden in diesem Teil des Volksgartens angelegt, der nur einige hundert Meter von der Raderberger Brache entfernt liegt.

Im straßennahen Bereich der heutigen Raderberger Brache, wurde ein botanischer Lehrgarten angelegt, der erst in den Umbrüchen des II.Weltkrieges verschwand. Kleingärten etablierten sich auf der Fläche. Planungen für einen neuen Autobahnring in den 1970er Jahren, ein sog. „Zweiter Ring“ für Köln, fassten das Gebiet als Verbindungsstück in den Süden auf. Kleingärten und Kleingewerbe wurden geräumt. Die Planungen für den zweiten Autobahnring selbst später aufgegeben.
Die Raderberger Brache wurde einer autonomen, sukzessiven Entwicklung überlassen. Sie entwickelte sich zu einem Grüngebiet mit hoher Diversität, der einen Magerrasen und Waldgebiete zugleich entwickelte.
Mit dem Bau einer Verbindungsstraße vor zehn Jahren entlang des Großmarktgeländes, kamen neue Bedingungen für die Raderberger Brache und schon heute steht das Gebiet unter einem gesteigerten Druck, da viele Anwohner bevorzugt diese andersartigen, nicht genormten und natürlichen Wege nutzen.


Before the plans for the ParkStadtSüd district are implemented, with the aim of building out the downtown greenbelt in the city of Cologne, GOODALL proposes to integrate the perspective of the visual arts and its closest disciplines into the urban discourse.

We are very pleased to announce the start of this effort, signaled by a brochure containing six letters that document the results of individual and collective research into the Raderberger Brache and its surroundings. A continuing series of annual publications will accompany, examine, and interpret the forthcoming spatial and social changes, while also communicating them in new images.

The area of research:
After more than a century of development, the Raderberger Brache will be more glaringly exposed; a new city neighborhood with twenty thousand more residents will require development. At this point in time the seven-hectare area as a whole is excluded from the process of development; currently, it is included as an undefined area in the plans.

Legitimate claims upon living spaces close to the city center are coming from various directions, and so it seems paradoxical to put a wild biotope shaped by vegetative processes into the balance. From this perspective, developing and reconceptualizing the Raderberger Brache as a protected space where nature can be experienced seems to be the poorer choice.
 
Cologne’s Volksgarten was laid out a good hundred years ago very close to the Raderberger Brache. To do this, many individual pieces of property in the area bounded by the city’s historical border, the freight railway, and its historical defenses had to be united. The director of the garden at the time, Fritz Encke, was headquartered here. Other buildings for the city’s nurseries were also erected in the section of the Volksgarten only a few hundred meters from the Raderberger Brache.

A garden where botany was taught was also laid out close to where the street running through the Raderberger Brache is today, and it remained there until the upheaval of World War II. Community gardens were established on this land. Plans for a new ring in the 1970s, a so-called second ring for Cologne, included the area as a link to the south. Although community gardens and small businesses were cleared away to make room, the plans for the second ring were later abandoned.
The Raderberger Brache was left to develop successively on its own. It became a highly diverse green space, where both grasslands and forests grew. With the construction of a connecting road ten years ago along the Grossmarkt area, new conditions were created for the Raderberger Brache. Today the area is already under increasing pressure, because many residents prefer to use these different, non-standardized, and natural paths.